Auswahlverfahren – YFU

YFU - Youth For Understanding

YFU – Youth For Understanding

Nachdem ich meine Kurzbewerbung bei YFU eingereicht habe, wurde ich zu einem Auswahlgespräch eingeladen. Meine Eltern und ich wurden früh morgens in Köln in der alten Feuerwache erwartet.

Zur Auswahl bei YFU gehört neben einem Einzelgespräch eine Gruppendiskussion von einer Gruppe von fünf Personen. Wir waren jedoch nur zu viert, da ein Mädchen verhindert war. Vor dem Auswahlprozess haben wir uns im „Wartebereich“ alle vorgestellt und haben über die bevorstehende Gruppendiskussion geredet. Wir waren alle nervös, da wir nicht wussten, was uns erwartet.

Die Eltern waren in einem gesonderten Raum und konnten ihre Fragen an eine Ehrenamtlerin von YFU stellen.

Die Gruppe, mit der ich diesen Prozess durchlief, bestand aus zwei Mädchen und zwei Jungs. Eine ehemalige Austauschschülerin hat auf uns „aufgepasst“. Ich war sehr zufrieden mir meiner Gruppe. Alle waren sehr nett, sympathisch und offen. Wir haben uns alle sofort super verstanden. Das reden und die Tatsache, dass man nicht alleine ist, hat einem einen kleinen Teil der Angst und der Nervosität genommen. Nach dem kurzen Small Talk begann auch das Auswahlverfahren.

Eine Jurorin holte uns ab und wir wurden in einen Raum geführt, in dem fünf Juroren an einem langen Tisch saßen. Gegenüber von diesem Tisch waren vier Stühle in einem Halbkreis angeordnet. Wir wurden gebeten uns zu setzen und sofort stellten sich die Juroren vor. Die Juroren waren alle sehr sympathisch und es herrschte eine angenehme Stimmung. Man konnte ihnen ansehen, dass sie diese Arbeit mit Freunde und Herzblut machen. Bei der Diskussion wurden uns Situationen genannt und wir mussten unsere Meinung dazu sagen. Ich bin ein Mensch, der es hasst anderen ins Wort zu fallen und alle Möglichkeiten durchdenkt bevor er sich seine Meinung bildet. Das hat dazu geführt, dass ich mich in die Diskussion eher am Ende eingebracht habe. Zu meinem Glück sind mir immer neue Aspekte eingefallen, auf die die Anderen noch nicht gekommen waren. Dies führte auch dazu, dass ich dadurch auch die Diskussion in eine andere Richtung lenken konnte und wir so die Aufgabenstellung einer weiteren Betrachtung unterziehen konnten. Wir waren alle von einander überrascht. Bei mir lag es vor allem daran, dass ich nicht unbedingt zu den redseligen Menschen zähle und in der regel nur so viel spreche, wie halt nötig.

YFU - Prospekt

YFU – Prospekt

Bei der Diskussion habe ich unter anderem versucht die Situation, die uns genannt wurde, im Blickwinkel der unterschiedlichen Parteien zu betrachten. Ebenfalls habe ich versucht die Gefühle und Gedanken, die die Beteiligten womöglich haben dürften, darzustellen. Sowohl das Wissen, welches ich mir während meiner Streitschlichterausbildung angeeignet habe als auch meine Menschenkenntnis hat mir hier sehr weiter geholfen. Die Körpersprache der Juroren hat mir verraten, dass sie meine Ideengänge gut fanden und dass sie auch zufrieden mit uns als Gruppe waren. Diese Erkenntnis hat mir dann die fehlende Sicherheit gegeben, die ich anfangs spürte,  sodass mir die Diskussion sogar richtig Spaß gemacht hat. Jeder ist zu Wort gekommen und konnte seine Sichtweise einbringen. Wir waren uns in den Ergebnissen erstaunlicherweise immer einig. Was ich auch gut fand war, dass wir uns gegenseitig geholfen haben aus uns das beste rauszuholen. Nach der Diskussion waren wir alle zufrieden und stolz sowohl auf uns selber als auch auf die Anderen.

Nach dem ersten Teil des Auswahlverfahrens haben wir uns im „Wartebereich“ über unsere Eindrücke zur Gruppendiskussion unterhalten und haben die jeweils Anderen gelobt. Die ehemalige Austauschschülerin hat uns auch einige unserer Fragen beantwortet und ihre Erfahrungen mit uns geteilt. Nach einer Weile kam eine Jurorin und ging mit uns ins Einzelgespräch. Ich war beim zweiten Mal dran. Solange habe ich mich weiter unterhalten.

Beim Einzelgespräch schrieb eine der zwei Juroren ihre Eindrücke auf. Die andere Jurorin stellte mir Fragen bezüglich meiner Bewerbung. So wurde ich gefragt, warum ich ein Auslandsjahr machen möchte. Gleichsam wurde ich auf meine Streitschlichter- und Sanitäterausbildung angesprochen. Zudem war mein ehrenamtliches Engagement Thema. Neben meinen Hobbys wurde meine Länderwahl thematisiert. Das lag daran, dass ich in meiner Bewerbung als Länderwahl nur die USA angegeben hatte. Das Gespräch war, als würde ich mich mit guten Freunden unterhalten. Es hatte nichts mit einem Verhör zu tun. Ich habe mich sehr wohl gefühlt. Ich hatte das Gefühl, dass die zwei Jurorinnen meine Antworten sehr gut fanden und sie zeigten durch ihr aufmerksames Zuhören und den Rückfragen Interesse an meiner Person und meinem Leben. Zudem kam es mir nicht so vor, als würden sie die Fragen routinehalber stellen.

Mir hat der Tag insgesamt sehr viel Spaß gemacht. Ich hatte ein gutes Gefühl und war stolz auf mich, sodass ich den ganzen Tag mit einem Lächeln im Gesicht durch die Gegend lief. Dazu muss ich sagen, dass ich Perfektionistin bin und mit mir immer sehr selbstkritisch und teilweise auch nicht fair umgehe. Im Nachhinein ärger ich mich oft über Kleinigkeiten, die ich hätte besser machen können. An diesem Tag habe ich mich nur darüber geärgert, dass ich mir so viel Stress gemacht habe. Ich hab mir viel zu viele Sorgen gemacht. Ich habe mir sogar Antworten auf mögliche Fragen im Einzelgespräch zurecht gelegt. Im Endeffekt habe ich meinen Plan über Bord geworfen und alles spontan gemacht. Ich war ich!

Für mich und meine Eltern war der Tag erfolgreich. Auch meine Eltern konnten viel vom Gespräch mit der Ehrenamtlerin von YFU mitnehmen. Und ich habe den Tag besser gemeistert, als ich es noch am Morgen erwartet habe.

Falls ihr auch ein Auswahlgespräch vor euch habt, braucht ihr keine Angst zu haben. Seid autentisch, seid einfach ihr selbst. Natürlich wäre es „äußerst“ hilfreich, wenn ihr wüsstet, was ihr in eure Kurzbewerbung rein geschrieben habt, denn dies wird im Einzelgespräch sicher ein Thema werden. Lest sie daher vorher noch einmal sorgfältig durch. Aber das wichtigste dabei ist, vergesst nicht Spaß zu haben, dann seid ihr auf dem richtigen Weg.

 

P.S. Egal für welche Organisation ihr euch entscheidet, der erste Schritt ist immer die Information, daher hier ein Link zur YFU Deutschland Seite.

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